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Wer die Kuppel besucht, steht auf einem Gebäude mit bewegter Vergangenheit. Paul Wallot baute es für das Parlament des Kaiserreichs, die Weimarer Republik wurde von seinem Fenster aus ausgerufen, die Nationalsozialisten nutzten den Brand von 1933, um die Grundrechte außer Kraft zu setzen. Nach dem Krieg stand der Bau als Ruine an der Grenze zwischen Ost und West.
Erst nach der Wiedervereinigung bekam das Haus wieder seine Aufgabe als Parlamentssitz. Alle Daten in diesem Leitfaden stammen aus Veröffentlichungen des Bundestags, der Bundeszentrale für politische Bildung und des Deutschen Historischen Museums. Wo Quellen voneinander abweichen, sagen wir es dazu.
Die kurze Antwort
Das Reichstagsgebäude wurde von 1884 bis 1894 nach Plänen von Paul Wallot gebaut. Berühmt ist es, weil sich hier zentrale Momente der deutschen Geschichte abspielten: die Ausrufung der Republik 1918, der Reichstagsbrand 1933, die Eroberung 1945, die Feier der Einheit 1990 und die Verhüllung durch Christo und Jeanne-Claude 1995. Das Gebäude steht noch, wurde aber zweimal grundlegend umgebaut. Seit dem 19. April 1999 ist es der Sitz des Deutschen Bundestags.

Warum ist der Reichstag so berühmt?
Weil sich in diesem Gebäude mehr als ein Jahrhundert deutscher Geschichte bündelt, vom Kaiserreich über Diktatur, Krieg und Teilung bis zur Demokratie des wiedervereinigten Deutschlands.
Das Reichstagsgebäude war Parlament des Kaiserreichs und der Weimarer Republik, Schauplatz des Brandes, mit dem die Nationalsozialisten ihre Macht festigten, 1945 von der Roten Armee erobert und nach 1961 ein Bau direkt an der Mauer. Heute tagt hier der Bundestag, und die gläserne Kuppel ist eines der bekanntesten Bilder Berlins. Die Tabelle zeigt die wichtigsten Stationen.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 9. Juni 1884 | Grundsteinlegung im Beisein von Kaiser Wilhelm I. und Bismarck |
| 5. Dezember 1894 | Schlussstein, das Gebäude von Paul Wallot ist fertig |
| 1916 | Die Inschrift „Dem Deutschen Volke“ kommt an die Fassade |
| 9. November 1918 | Philipp Scheidemann ruft die Republik aus |
| 27./28. Februar 1933 | Reichstagsbrand, am 28. Februar folgt die Reichstagsbrandverordnung |
| 30. April bis 2. Mai 1945 | Kämpfe um das Gebäude, Einnahme durch sowjetische Truppen |
| 1955 bis 1973 | Wiederaufbaubeschluss und Umbau nach Plänen von Paul Baumgarten |
| 3. und 4. Oktober 1990 | Flagge der Einheit vor dem Westportal, erste Sitzung des gesamtdeutschen Parlaments |
| 20. Juni 1991 | Der Bundestag beschließt den Umzug nach Berlin |
| Juni/Juli 1995 | Verhüllter Reichstag von Christo und Jeanne-Claude |
| 19. April 1999 | Der Bundestag übernimmt das umgebaute Gebäude mit der neuen Kuppel |
Wann wurde der Reichstag gebaut?
Von 1884 bis 1894. Den Grundstein legte man am 9. Juni 1884, den Schlussstein am 5. Dezember 1894. Architekt war Paul Wallot.
Wallot hatte 1882 den Architektenwettbewerb gewonnen, an dem sich fast 200 Entwürfe beteiligten. Bei der Grundsteinlegung waren Kaiser Wilhelm I. und Reichskanzler Otto von Bismarck anwesend. Zehn Jahre später war das Gebäude für das Parlament des Kaiserreichs fertig.
Die berühmte Inschrift „Dem Deutschen Volke“ über dem Westportal war damals noch nicht da. Sie wurde erst 1916 angebracht, mitten im Ersten Weltkrieg. Heute gehen Besucher der Kuppel unter genau dieser Inschrift ins Gebäude.

Was bedeutet Reichstag, und sind Bundestag und Reichstag dasselbe?
Nein. Der Bundestag ist das Parlament, das Reichstagsgebäude ist das Haus, in dem es seit 1999 tagt. „Reichstag“ bedeutet ursprünglich so viel wie Versammlung des Reiches.
Das Wort setzt sich aus „Reich“ für Herrschaftsgebiet oder Staat und „Tag“ im alten Sinn von Versammlung zusammen, nicht im Sinn von Kalendertag. Der Duden nennt mehrere historische Bedeutungen: die Versammlung der Reichsstände vor 1806 und das Parlament von 1867 beziehungsweise 1871 bis 1945. Und er nennt die heutige: das Gebäude in Berlin, in dem seit 1999 die Plenarsitzungen des Deutschen Bundestags stattfinden.
Offiziell heißt das Haus Reichstagsgebäude. Wenn Berliner „der Reichstag“ sagen, meinen sie fast immer das Gebäude, nicht das Parlament. Den Namen hat es aus der Kaiserzeit behalten, das Parlament darin ist aber der Bundestag.
Was geschah am 9. November 1918 am Reichstag?
Philipp Scheidemann rief von einem Fenster beziehungsweise dem Westbalkon des Reichstagsgebäudes die Republik aus.
Am 9. November 1918 verkündete der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann vom Reichstagsgebäude aus die Republik. Die Quellen des Bundestags sprechen von einem Fenster beziehungsweise dem Westbalkon. Damit wurde das Gebäude, das für das Parlament des Kaiserreichs errichtet worden war, zum Parlamentssitz der Weimarer Republik.
Auf einer geführten Tour durch Reichstag und Regierungsviertel hören Sie diese Geschichte an Ort und Stelle, bevor es in Plenarsaal, auf die Dachterrasse und in die Kuppel geht.
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BuchenWer hat den Reichstag angezündet?
Am Tatort wurde der Niederländer Marinus van der Lubbe festgenommen und später hingerichtet. Ob er allein handelte, ist unter Historikern bis heute umstritten.
In der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 brannte das Reichstagsgebäude, der Plenarsaal wurde zerstört. Marinus van der Lubbe wurde noch im Gebäude festgenommen, verurteilt und im Januar 1934 hingerichtet. Seine Mitangeklagten, Ernst Torgler und drei bulgarische Kommunisten, wurden freigesprochen. Wer tatsächlich hinter dem Brand stand, wird bis heute diskutiert.
Unumstritten sind die Folgen. Schon am 28. Februar 1933 erließ der Reichspräsident die „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“, die als Reichstagsbrandverordnung bekannt ist und die Grundrechte außer Kraft setzte. Am 23. März 1933 wurde das Ermächtigungsgesetz verabschiedet, allerdings nicht im beschädigten Reichstag, sondern in der Krolloper gegenüber.

Was geschah 1945 am Reichstag?
Sowjetische Truppen kämpften ab dem 30. April um das Gebäude und nahmen es am 2. Mai 1945 ein. Das berühmte Flaggenfoto entstand bei einer nachgestellten Szene.
Eine Flagge wurde nach Angaben des Bundestags bereits am 30. April gehisst. Das bekannte Foto von Jewgeni Chaldej datiert das Deutsche Historische Museum auf den 2. Mai 1945. Der Bundestag schreibt, die Aufnahme sei nachgestellt und später retuschiert worden.
Aus diesen Tagen stammen auch die Inschriften sowjetischer Soldaten: Namen, Heimatorte und Botschaften in Kyrillisch, geschrieben mit Kreide und Kohle. Sie wurden beim Umbau durch Norman Foster hinter der Verkleidung der 1960er-Jahre entdeckt und bewusst erhalten. Ob Sie sie bei einem reinen Kuppelbesuch sehen, konnten wir nicht bestätigen. Da sie sich im Inneren des Gebäudes befinden, sind Führungen der wahrscheinlichere Weg.

Vortrag im Plenarsaal über die Geschichte des Parlaments und den Umbau durch Foster, auf Deutsch, mit Dachterrasse und Kuppel.
BuchenSteht der originale Reichstag noch?
Ja, das Gebäude von Paul Wallot steht noch. Es wurde aber nach dem Krieg und erneut in den 1990er-Jahren tiefgreifend umgebaut, und die alte Kuppel gibt es nicht mehr.
Nach 1945 war der Bau eine Ruine, die Reste der alten Kuppel wurden nach dem Krieg entfernt. Am 9. September 1948 hielt Ernst Reuter vor der Ruine seine berühmte Rede „Völker der Welt“. 1955 beschloss der Bundestag den Wiederaufbau, der nach Plänen von Paul Baumgarten erfolgte und 1973 abgeschlossen war. Zu den genauen Daten dazwischen machen die Quellen unterschiedliche Angaben, gesichert ist ein Wiederaufbau ab den späten 1950er- und 1960er-Jahren.
Ab 1961 stand das Gebäude unmittelbar am Todesstreifen. Das Viermächteabkommen von 1971 schloss Plenarsitzungen des Bundestags dort aus. Ein Stück der Hinterlandmauer ist heute im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus gleich nebenan erhalten. Den heutigen Zustand mit der gläsernen Kuppel verdankt das Gebäude dem Umbau durch Norman Foster, den Sie in unserem Leitfaden zur Architektur der Kuppel genauer kennenlernen.

Wie wurde der Reichstag wieder zum Parlament?
Mit der Wiedervereinigung 1990, dem Umzugsbeschluss 1991 und dem Umbau durch Norman Foster. Am 19. April 1999 übernahm der Bundestag das Gebäude.
In der Nacht zum 3. Oktober 1990 wurde vor dem Westportal vor Hunderttausenden Menschen die 60 Quadratmeter große Flagge der Einheit gehisst. Sie weht dort bis heute an einem 28,5 Meter hohen Mast. Am 4. Oktober 1990 trat im Reichstagsgebäude das erste gesamtdeutsche Parlament zusammen, am 20. Dezember 1990 folgte die konstituierende Sitzung des ersten frei gewählten gesamtdeutschen Bundestags. Am 20. Juni 1991 stimmte der Bundestag mit 338 zu 320 Stimmen für den Umzug nach Berlin.
1995 verhüllten Christo und Jeanne-Claude das Gebäude. Der Bundestag hatte am 25. Februar 1994 zugestimmt, ab dem 24. Juni 1995 war der Bau vollständig verhüllt, am 7. Juli begann der Abbau. 14 Tage lang stand er in rund 100.000 Quadratmetern Stoff und 15.600 Metern blauem Seil, mehr als fünf Millionen Menschen kamen, finanziert von den Künstlern selbst. Am 19. April 1999 übergab Foster den symbolischen Schlüssel an Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, im September 1999 begann die reguläre Parlamentsarbeit in Berlin. Eine Ausstellung zur Geschichte des Hauses finden Sie auf Höhe der Dachterrasse, die Ausstellung „Wege, Irrwege, Umwege“ des Bundestags im Deutschen Dom am Gendarmenmarkt.


Vom Brandenburger Tor über die frühere Sektorengrenze zum Reichstag: Regierungsviertel-Tour mit Dachterrasse und Kuppel.
BuchenHäufige Fragen
Wer hat den Reichstag gebaut?
Paul Wallot, der 1882 den Architektenwettbewerb gewonnen hatte. Gebaut wurde von 1884 bis 1894.
Wann kam die Inschrift „Dem Deutschen Volke“ an die Fassade?
1916, während des Ersten Weltkriegs, mehr als zwanzig Jahre nach der Fertigstellung.
Wie lange war der Reichstag verhüllt?
14 Tage im Sommer 1995. Vollständig verhüllt war er ab dem 24. Juni, am 7. Juli begann der Abbau.
Seit wann tagt der Bundestag im Reichstagsgebäude?
Der Bundestag übernahm das umgebaute Gebäude am 19. April 1999, die reguläre Parlamentsarbeit in Berlin begann im September 1999.
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Reichstag, Kuppel & Regierungsviertel mit Guide
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Plenarsaal-Vortrag, Kuppel & Spreeufer
Ein Spaziergang an der Spree durchs Regierungsviertel, dann ein Vortrag im Plenarsaal über Parlament und Umbau, zum Schluss Dachterrasse und Kuppel

Regierungsviertel-Tour & Kuppelbesuch
Ein Rundgang mit Guide und die Kuppel; die deutsche Variante mit Vortrag im Plenarsaal, die englische mit Erzählungen auf der Dachterrasse



